Archiv für den Monat März 2010

Der Fernsehtip: Street Art - Die vergängliche Rebellion

Donnerstag, 18. März 2010

25. März, Donnerstag, 22.00 Uhr, arte

“Ich will der Welt zeigen, dass urbane Kunst mehr ist als eine Kunst der Rebellion, sondern eine Kunstform, die über Poesie und Alltag spricht und eine Reflektion unserer Gesellschaft ist.” (Blek le Rat)

Street Art ist ein Phänomen unserer Zeit und fordert zu genauerem Hinsehen auf. Als Gegenbewegung zum kommerziell dominierten Stadtbild, versucht diese Kunstform eine direkte Verbindung zum Betrachter, dem Passanten, zu schlagen. Sie gibt ihm zudem die Möglichkeit, sich mit der Gedankenwelt eines Künstlers unmittelbar auseinanderzusetzen und den eigenen Lebensraum mit gelenkten Augen neu zu entdecken.

“Reclaim the streets”, die Rückeroberung der Straße, ist neben dem künstlerischen Ausdruckswillen ein starkes Motiv vieler Street Artists. Damit ist Street Art unweigerlich auch eine politische Kunstform, da sie sich in der Regel nur illegal verwirklichen lässt und eine Spannung zwischen Werk, Umgebung und betrachtender Gesellschaft herstellt.

Die Filmemacher Anne Bürger und Benjamin Cantu haben sich auf eine Reise in die Metropolen Berlin, Paris, New York und Moskau begeben, um künstlerische Positionen einzufangen, die sich dem Blick des Passanten für gewöhnlich nur eine kurze Zeit lang bieten: Street Art ist eine vergängliche Kunstform.

Berlin ist wegen seiner Toleranz das Paradies jener Straßenkünstler, die mit Cutouts, Spraycans und Schablonen auf Wänden arbeiten wie die bekannte New Yorker Straßenkünstlerin Swoon. Ihre überlebensgroßen Objekte aus Papier sind Porträts von Menschen, die sie auf ihren Reisen kennengelernt hat, und sollen den grauen Großstadtwänden in Friedrichshain, Kreuzberg und Berlin-Mitte Leben einhauchen. Mittlerweile sind sie so beliebt, dass das eine oder andere ihrer Werke schon nach wenigen Minuten wieder verschwindet. Abgenommen von Liebhabern ihrer Kunst oder auch von Nutznießern, die die Möglichkeit eines Verkaufs an eine Galerie in Berlin-Mitte wittern.

Den Franzosen Blek le Rat kann man mittlerweile als Ikone unter den Street Art Künstlern bezeichnen. Er hat in den 80er Jahren das Pochoir (Schablonengraffiti) in die Straßen von Paris eingeführt und ist nun vor allem im Ausland ein gefeierter Künstler, der für sich eine Brücke zwischen Street Art und Fine Art schlagen konnte. Die Filmemacher begleiten ihn von Paris nach New York, wo er eine Ausstellung seiner Werke in einer der wichtigsten Galerien für zeitgenössische Urban Art vorbereitet. Er verkauft auf hohem Niveau, aber das hält ihn trotzdem nicht davon ab, auch weiterhin seine Spuren auf den Straßen zu hinterlassen.

Dass Street Art nicht immer Graffiti und Stencils sein müssen, zeigt Brad Downey mit seinen radikalen, witzigen Straßeninstallationen und -performances. Der in Berlin lebende Künstler aus Kentucky formt das Stadtbild nach seinen Vorstellungen um, und dabei sind weder Verkehrszeichen, Mülleimer, Telefonzellen oder Heldenstatuen vor ihm sicher.

Die Phantomkünstlerin Princess Hijab treibt in den nächtlichen Gängen der Pariser Metro ihr Unwesen. Mit kontinuierlicher Hartnäckigkeit greift sie Werbeflächen an, die, wie sie meint, uns angreifen. Sie wählt dafür eines der stärksten und gleichzeitig einfachsten visuellen Mittel, um auf die Provokation der Hochglanzwerbung zu antworten: Sie “hijabisiert” die Gesichter der Models auf Werbe- und Filmplakaten mit einer pechschwarzen Burka.

Der Street Art Künstler ZASD wiederum liebt es, in den modernen Neubauvierteln der Metropolen Bogen zu schießen und seine Mitbürger damit zu überraschen. Seine Pfeile, die wie Speere in die Isolierungsmasse jüngster Neubauten eindringen, bilden ungewöhnliche Objekte und hinterfragen zugleich eine rein funktional ausgerichtete Städtearchitektur.

In kaum einer anderen Stadt wird so radikal gegen Street Art vorgegangen wie in Moskau. Die meisten Werke sind schon nach ein paar Stunden von den Häuserwänden wieder verschwunden - oft übermalt von den Hausbewohnern, die das Geld für die Farbe von der Stadt bekommen. “Manchmal nimmt diese Bekämpfung so absurde Formen an, dass man meinen könnte, dass diejenigen, die Street Art bekämpfen, eigentlich künstlerisch an ihr teilnehmen wollen”, sagt der Autor und Künstler Igor P., der die kleine, aber höchst aktive Street Art Szene von Moskau vorstellt.

ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer “Streaming”-Fassung auf ARTE+7 bereit.

Der Fernsehtip: Künstler hautnah auf arte

Donnerstag, 18. März 2010

Das Designerinnen-Duo Tsé & Tsé Associées , 21. März, Sonntag, 13.00 Uhr, arte

Paris inmitten eines idyllischen Hinterhofs: Hier arbeitet das Designerinnen-Duo “Tsé & Tsé” und entwirft seit 1991 alltagstaugliche Gebrauchsgegenstände mit poppigem Charme und originellen Namen. Ob Schreibwaren, Accessoires oder Küchenutensilien - es gibt fast nichts, was Catherine Lévy und Sigolène Prébois - beide Jahrgang 1964 - nicht schon gestaltet hätten.

Begegnet sind sich Catherine Lévy und Sigolène Prébois erstmals 1984 an der Hochschule für Industriedesign. Dort haben sie einige Projekte gemeinsam realisiert und ihre Zusammenarbeit nach dem Abschluss im Januar 1989 fortgesetzt. Beide waren der Ansicht, dass sich das Berufsleben zu zweit viel angenehmer meistern lasse, wobei jede ihr eigenes Spezialgebiet hat.

Mittlerweile genießen die Produkte der beiden Frauen international einen hervorragenden Ruf und sind zu einer echten Marke mit Wiedererkennungswert geworden. Darunter ihre bunten Leuchtgirlanden sowie die berühmte “Aprilvase”. Letztere besteht aus 21 Reagenzgläsern, die durch 20 kleine Scharniere aus Metall miteinander verbunden sind. Auf diese Art und Weise lassen sich die Röhrchen beliebig anordnen: als Schlängellinie, Halbkreis oder einfach als langgezogene Achse. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nur funktional muss es sein.

Nachdenklich werden die Künstlerinnen, wenn es um die Produktionsverhältnisse geht. Denn wie so vielerorts müssen sich die traditionellen Handwerksbetriebe dem Konkurrenzdruck aus Übersee beugen und ihr Geschäft schlimmstenfalls aufgeben. Dabei setzen “Tsé & Tsé” gerade auf eine enge Zusammenarbeit mit ortsansässigen Herstellern, um das Produkt vom skizzierten Entwurf bis zu seiner Fertigstellung zu begleiten.

arture.eu nimmt Fahrt auf

Freitag, 12. März 2010

Arture.eu, ein Projekt des Theaterwissenschaftlers Ingo Jonas und unseres Chefdevelopers Falk Fiedler, ist eine Internetplattform für Kunstschaffende, -produzierende und -liebende.

Die Seite soll dem Austausch zwischen Schauspielern, den unterschiedlichen Spielstätten und dem Publikum dienen. Ist man daran interessiert zu erfahren, in welchem Theater gerade eine bestimmte Inszenierung läuft oder wer gerade wo Regie führt, ist man bei arture.eu richtig. Außerdem können sich sowohl Institutionen als auch Künstler kostenlos ein Profil anlegen und so die Seite als Präsenz im Internet nutzen. Für eine monatliche Gebühr kann man zusätzlich Speicherplatz für Fotos und Videos erhalten.

Das Portal startete im September 2009. Inzwischen sind auf der Seite mehr als 2.000 Kulturinstitutionen, 10.000 Produktionen und 40.000 Künstler beteiligt.

wwwartureeu

arture in der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2010

Neue Websites am Start

Dienstag, 09. März 2010

wwwspinnereide_start1

„From Cotton to Culture“ - unter diesem Motto vereint die Leipziger Baumwollspinnerei hundert Künstlerateliers, elf Galerien, Werkstätten, Architekten, Designer, Schmuck- und Modemacher, den Laden für Künstlerbedarf «boesner», die Theaterspielstätte «Spinnwerk», ein internationales Tanz- und Choreografiezentrum, Druckereien, den Lubok-Verlag, das Kino «LuRu» sowie, nicht zuletzt, die gemeinnützige HALLE 14 und viele andere.

Die Fabrikstadt, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die größte Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas war, wandelte sich in den letzten Jahren zu einer der interessantesten Produktions- und Ausstellungsstätten für zeitgenössische Kunst und Kultur.

Vor kurzem ging nun die neue Webseite der Leipziger Baumwollspinnerei online. Die Kommunikatisten realisierten den kompletten Relaunch, vom Screendesign über die Umsetzung bis hin zur Anbindung eines Shops. Als Redaktionssystem kam die neue Version unseres hauseigenen CMS KommRed (KommRed 1.96) inklusive des ebenfalls neuen Shopmoduls SimpleShop zum Einsatz.

Die komplett zweisprachige Webseite gibt auf je ca. 250 Unterseiten einen Überblick über Geschichte und Gegenwart der Spinnerei, die Galerien und Ausstellungsflächen sowie die auf dem Gelände ansässigen Künstler. Über ein News-Modul können Nachrichten, Termine und Veranstaltungen gepflegt werden.

Im Spinnerei-Laden kann man eine exklusive Auswahl der „hausgemachten“ Produkte der Spinnerei erwerben, die in den vielfältigen Produktionsstätten der Künstler, Kunsthandwerker und Handwerker entstehen. Die Palette umfasst neben Büchern und Drucksachen auch T-Shirts, Foto-Prints und vieles andere mehr.

Projektteam: Andrea Kubitz (Projektmanagement, Konzeption), Manfred Mülhaupt (Screendesign, Konzeption), Ondrej Brinkel (Umsetzung Webseite und Shop)

www.spinnerei.de