Blick auf Leipzig Plagwitz, früher eine Art Werkstatt der Welt. Heute: erst strukturgewandelt, gentrifizierungsgefährdet, trotzdem noch der viel beschworene Freiraum für irgendwelche Ideen. Punks und Autonome neben Startups, Kleingewerbe und "normaler" Bevölkerung. In der Halle ganz links im Bild wirkte 2011 übrigens die SOKO "Kommunikatisten".

Historie und Bedeutung des Begriffs „Kommunikatisten“

Der Begriff der „Kommunikatisten“ entstand in der späten Phase der industriellen Revolution. Erstmalig wurde er nachweislich in der 1862 erschienenen Denkschrift des Plagwitzer Industriepioniers und Unternehmers Carl Erdmann Heine „Öconomie im Betriebe“ erwähnt. Gerade in den neu entstandenen Fabriken der Schwerindustrie waren die Arbeitsbedingungen sehr hart. Unbeschreiblicher Lärm erfüllte die Hallen der Eisengießereien, Blechwalzereien und Schmieden. Das Brüllen der Dampfhämmer ließ die Fabriken erzittern, auf engstem Raum passierten kreischend Waggons der Industriebahnen die Werkstätten der Arbeiter, schnauften die Lokomotiven.

Oft war es in diesem Hexenkessel für die Vorarbeiter und Meister schwer, zu ihren Untergebenen durchzudringen. In dem alles übertönenden Lärm war keine geordnete Verständigung mehr möglich, Arbeitsaufträge wurden falsch übermittelt, Missverständnisse an der Tagesordnung. Heines Idee, sogenannte „Communicatisten“ mit der innerbetrieblichen Verständigung zu beauftragen, wurde begeistert aufgenommen. Sie wuselten durch die Hallen und überbrachten in schriftlicher Form die nötigen Instruktionen. Der Einfachheit und Schnelligkeit halber wurde oft auch eine Art Zeichensprache zu Papier gebracht. Später dehnte sich der Einsatz der „Communicatisten“ auch auf den Austausch zwischen den einzelnen Fabriken und sogar zwischen Herstellern und Kunden aus. Gemeinhin wird dies als die Geburtsstunde der visuellen Kommunikation im Sinne der Werbelehre verstanden.
 
Wir heutigen Kommunikatisten sehen uns als stolze Nachfahren dieser Plagwitzer Kommunikationspioniere. Wie sie sind wir das Öl im Getriebe der Verständigung nach innen und außen. Längst haben moderne digitale Mittel die einstigen Zettel und Ledertaschen ersetzt. Aber noch immer gilt es, durch den alles durchdringenden Lärm – dem heutigen medialen Grundrauschen – zum Empfänger durchzudringen.

 

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